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Geschoßwirkung und Kugelfang

Norbert Steinhauser

„Bleifreie Munition“ – das Thema hat in letzter Zeit viel Staub aufgewirbelt. Über Tötungswirkung und Abprallverhalten der bleifreien Büchsengeschoße wurde und wird heftig diskutiert. Jeder Jäger stellt sich die Fragen: Wann soll ich auf bleifrei umstellen? Auf welches Geschoß? Und wird mein Gewehr mit dem neuen Geschoß genauso gut schießen? – Das Buch „Geschoßwirkung und Kugelfang“ gibt leicht verständliche und klare Antworten darauf. Es zeigt, wie moderne Büchsengeschoße wirken und worauf der Jäger bei der Wahl seiner Munition achten muss.
Der zweite Schwerpunkt des Buches liegt auf dem Thema „Kugelfang“. Hier geht es um das Eingemachte, nämlich um die Sicherheit. In zahlreichen Bildbeispielen zeigt Norbert Steinhauser, welcher Schuss fallen darf und wann der Finger gerade bleiben muss. Bei jedem Foto kann sich der Leser fragen: Hätte ich selbst geschossen oder nicht? Auch Fragen wie: Lenkt der Schuss durch Gras oder Weizen das Geschoß ab? Wie steht es mit Mais? Wie mit Stauden? Wie groß ist die Gefahr eines Abprallers, wenn Schützen bei Riegeljagden entlang eines Weges angestellt sind? – Diese und viele andere Fragen werden in dem Buch „Geschoßwirkung und Kugelfang“ leicht verständlich und exakt beantwortet. Es ist ein Buch, das längst fällig war: Ein Buch, das dem Jäger Sicherheit gibt!
192 Seiten, mehr als 130 Farbfotos.

Preis: Euro 35,–
inkl. MwSt.

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Gerade bei den Riegeljagden geht es beim Büchsenschuss ums Eingemachte: um die Sicherheit. Fest steht: Ohne Kugelfang kein Schuss! Und: Jeder Jäger ist für seinen Schuss verantwortlich. – Das Buch "Geschoßwirkung und Kugelfang" beugt Katzenjammer vor. Ein Buch-Auszug.

Um den Stellenwert des Themas Kugelfang ein wenig zu beleuchten, möchte ich zunächst zwei Jagdunfälle schildern. Zwei Menschen wurden dabei schwer verletzt. Beide Unfälle hätten auch tödlich enden können. Schuld­zuweisung werde ich dabei keine treffen.

Jagdunfall 1
Im Zuge einer Riegeljagd wurden an einem Weg drei Schützen angestellt. Ihre Position ist im untenstehenden Bild blau gekennzeichnet. Der lockere Bestand links wurde von hinten in Richtung Weg getrieben. Die Fichtendickung auf der rechten Seite wurde nicht getrieben, sie gehört aber zum Revier und konnte bejagt werden. Vor Ort fiel die unqualifizierte Äußerung eines Jägers – nicht von der Jagdleitung –, die Schützen sollten sich nahe dem Treiben anstellen, also auf der linken Fahrspur des Weges, damit man in Richtung Dickung noch ein Stück Wild beschießen könne. Dieser Empfehlung folgten alle drei Jäger. – Tatsächlich überfiel dann ein etwa 50 Kilogramm schwerer Überläufer, aus dem Treiben kommend, den Weg an der im Bild markierten Stelle, und der vorderste Jäger schoss. Er führte eine Büchse im Kaliber 9,3×74 R mit dem 15 Gramm schweren Norma Vulkan-Geschoß.
Das Primärgeschoß mit 40 Prozent Restgewicht wurde gefunden. Ein Splitter, der den ganzen Wildkörper durchdrungen hatte, verletzte den zweiten Schützen schwer. Er durchschlug fast den ganzen Oberarm und streifte ein großes Blutgefäß. Nur mit viel Glück überlebte der Jäger.
Der Unglücksschütze rechtfertigte sich folgendermaßen: Er habe nicht gewusst, dass es Splitterbildung nach einem Treffer geben könne. Zudem habe er nicht gewusst, dass Splitter so gefährlich seien. Seiner Ansicht nach habe er bei dem Schuss ausreichenden Kugelfang gehabt.
Hier seien noch ein paar Anmerkungen erlaubt: Im Zuge des Anschlagens der Büchse muss es hier zu einem Linieren des Schützen durch die Schützenreihe gekommen sein. Die Schützen waren schlecht postiert und eigentlich nur ein Schuss in den Trieb möglich. Ein Schuss aus dem Trieb im dargestellten Winkel in Richtung Fichtendickung stellt für die beiden Schützen im Hintergrund ein Sicherheitsrisiko dar, da Splitter in die rot gefärbte Zone fliegen können. Auch hatte die Empfehlung, sich nahe zum Treiben zu stellen, den Schützen vermutlich geistig dahingehend vorbereitet, dass er schießen würde, sofern ein Stück den Weg überfällt.
Die Jagdleitung hätte die Schützenreihe ganz einfach 30 Meter in den Trieb verlegen können. Damit hätten sie genügend Schussfeld in den Trieb und auch außerhalb vorgefunden, mit geeignetem Kugelfang. Selbst bei einem Fehlschuss hätte von dem ein wenig in den Bestand verlegten Standort der Weg nicht getroffen werden können, und die erhöhte Abprall­gefahr wäre vermieden worden.

Jagdunfall 2
Dieser Jagdunfall ereignete sich ebenfalls im Zuge einer Riegel­jagd. Diesmal wurden mitten im Treiben zwei Schützen auf einem Waldweg angestellt, der links und rechts durch eine Dickung flankiert wurde. Aufgrund langjähriger Erfahrung wusste die Jagdleitung, dass an dieser Stelle immer wieder Sauen anwechselten. – Kurz vor Ende des Treibens überfiel eine Bache (sie wog 38 Kilo aufgebrochen) den Weg. Als sie sich an der im Bild eingezeichneten Stelle befand, schoss der hintere Jäger. Der Schuss traf. Ein Splitter des aus dem Wildkörper austretenden Geschoßes durchschlug allerdings die Thermojagdhose des vorderen Schützen, und auch noch die lange Thermounterwäsche. Der Splitter blieb im Oberschenkel­muskel stecken. Der operierende Arzt sagte nachher, der Splitter sei ganz knapp vor einem großen Blutgefäß steckengeblieben. Großes Glück im Unglück!
Hier rechtfertigte sich der Unglücksschütze folgendermaßen: Im Tunnelblick durchs Zielfernrohr habe er geglaubt, ge­nügend Kugelfang zu haben. Im Vorfeld habe er nicht darüber nachgedacht, ob ein Schuss in dieser Aufstellungskonstellation überhaupt möglich sei. Er hatte sich also mental nicht vor­bereitet. Als die Sau dann kam, ging alles so schnell, dass er nur mehr die Worte des Anstellers im Ohr hatte: „Auf diesem Stand musst du wirklich schnell sein!“
Auch zu diesem Unfall seien ein paar Anmerkungen erlaubt: Wie bei Unfall 1, muss es auch hier im Zuge des Anschlagens zu einem Linieren gekommen sein, also zu einer Gefährdung des zweiten Jägers. Wenn schon mitten in einem etwa 100 Hektar großen Treiben Schützen abgestellt werden, dann sollten sie gutes Schussfeld (Kugelfang!) und auch genügend Blickfeld haben. Ansprechen und schießen auf so einer engen Schneise können nur sehr erfahrene Jäger. Aufgrund des fehlenden Einblicks in die Dickung können Hunde oder Treiber erst sehr spät erkannt werden. Aus meiner Sicht hätte an dieser Schneise überhaupt kein Jäger angestellt werden dürfen. Denn Sicherheit wiegt zu jeder Zeit und in jeder Situation schwerer als der Jagderfolg.

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